Abschlussbericht vom 16.12.2009

Aus Justizskandal Kampusch
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Unterfertigt von Oberst Kröll als Bearbeiter und HR Dr. Geiger als Abteilungsleiter

Auszug: (Wortlaut zur Lesbarkeit geringfügig verändert, wenn z.B. vorangehende Absätze fehlen, ansonsten möglichst wortgetreu)


4.7 Beischaffung der Krankengeschichte betreffend die bei Wolfgang Priklopil am 3.3.1998 begonnene ambulante Behandlung einer Verletzung an der rechten Hand im Krankenhaus Korneuburg (Unfallambulanz)

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Dem beigebrachten Befund 1998754078 nach, wurde Wolfgang Priklopil wegen seiner sich am 3.3. 1998 in seinem Wohnhaus in 2231 Strasshof, Heinestraße 60, zugezogenen Verletzung am Endglied des Mittelfingers der rechten Hand (über den Unfallhergang gab er an: "Tresor auf den rechten Finger gefallen") im Krankenhaus am 3.3.1998 mit Beginn um 17:49 Uhr in der Unfallambulanz erstbehandelt. In der Folge wurde Wolfgang Priklopil am 4.3.98, 5.3.98, 9.3.98, 12.3.98, 17.3.98, 24.3.98, 26.3.98, 31.3.98, 1.4.98, und letztmals am 29.4.98, in der Unfallambulanz ambulant behandelt.

Durch weitere Erhebungen und durch die zeugenschaftliche Einvernahme des Nachbarn Johann Schneider wurde in Erfahrung gebracht, dass Wolfgang Priklopil, nachdem er sich die Verletzung zugezogen hatte, schreiend und an der Hand blutend aus seinem Haus kam, Johann Schneider daraufhin aufmerksam wurde, seine Gattin verständigte, welche Wolfgang Priklopil erstversorgte und die Rettung verständigte. Priklopil Wolfgang wurde mit der Rettung in das Krankenhaus Korneuburg gebracht und mit Beginn 17:49 Uhr erstversorgt. Schneider Johann wäre seinen Angaben nach, der Rettung nachgefahren und habe bis zur Beendigung der Erstbehandlung im Krankenhaus gewartet. Nach der Erstbehandlung habe ihm Wolfgang Priklopil erklärt, dass er mehrere Tage in stationärer Behandlung bleiben müsse, sich diesen Aufenthalt nicht leisten könne und er nur eine Nacht stationär im Krankenhaus bleiben werde. Nach den Angaben von Johann Schneider habe er mit Wolfgang Priklopil vereinbart, ihn am nächsten Tag, den 04.03.1998 in den Vormittagsstunden im Krankenhaus abzuholen und nach Hause zu bringen. Nach dieser Vereinbarung fuhr Johann Schneider mit seinem Fahrzeug nach Hause, holte Wolfgang Priklopil am 04.03.1998, um die Mittagszeit, im Krankenhaus Korneuburg mit seinem Fahrzeug ab und brachte ihn nach Hause.

Schneider Johann konnte diese Fahrten aufgrund seines damals geführten Fahrtenbuches, über das er nach wie vor verfügt, nachweisen.

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Es wurde im Krankenhaus Korneuburg erhoben, dass Wolfgang Priklopil mit Sicherheit nicht nach der Erstbehandlung am 3.3.1998, mit Beginn um 17:49 Uhr, stationär aufgenommen worden war, sondern lediglich eine ambulante Erstbehandlung durchgeführt wurde.

Nachdem abgeklärt wurde, dass Wolfgang Priklopil nach seiner Erstbehandlung am 3.3.1998 nicht stationär aufgenommen wurde, er gegenüber dem Johann Schneider offensichtlich eine stationäre Aufnahme vortäuschte, ist begründet anzunehmen, dass Wolfgang Priklopil nach seiner Erstbehandlung und nach dem Wegfahren von Johann Schneider, durch eine Person abgeholt und nach Hause gebracht und am nächsten Tag wieder zum Krankenhaus Korneuburg hingebracht wurde.

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4.10.4.23 Einvernahme Waltraud B., vormals Priklopil

.... (folgt später)

Aufgrund bestehender Verdachtsgründe werden im Zusammenhang mit der Abwicklung der Verlassenschaftssache durch Mag. Margit W., über Auftrag des fallbefassten EOStA Dr. Mühlbacher Ermittlungen geführt, Mag Margit W. und Ing. Ernst H. als Beschuldigte einvernommen und gesondert eine Strafanzeige an die Staatsanwaltschaft Wien erstattet werden.

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4.10.4.25 Einvernahme Kampusch Natascha

Die zeugenschaftlichne Einvernahme von NK wurden durch den fallbefassten EOStA Dr. Mühlbacher im Beisein der Staatsanwältin Dr. Kropiunig (Staatsanwaltschaft Wien) und in Anwesenheit von CI Linzer

1. am 15.10.2009 bei der Oberstaatsanwaltschaft Graz und

2. am 13.11.2009 beim Bundeskriminalamt Wien,

durchgeführt.

Ihre Einvernahmen erbrachten neue und bisher nicht bekannt gewesene Erkenntnisse.


4.10.4.25.1 Über den Tathergang:

Als sie das Fahrzeug wahrnahm, wäre Wolfgang Priklopil außerhalb des Fahrzeuges gestanden und habe seltsam nervös gewirkt. Deshalb habe sie auch beabsichtigt, die Straßenseite zu wechseln, wäre aber davon abgekommen, weil sie aufgrund des Streites mit der Mutter verweinte Augen und schlecht gesehen habe.

Bei der weiteren Annäherung an das Tatfahrzeug habe sie gesehen, dass die dem Gehsteig zugewandte Seitentür des Tatfahrzeuges offen war und Priklopil davor stand. Als sie dann in Höhe des Fahrzeuges war, wäre sie von Priklopil mit beiden Armen erfasst, wie ein Sack Zement gepackt und in den Kastenwagen gehoben bzw. geworfen worden. Ihrer Wahrnehmung nach muss sie sich dabei gewehrt haben, weil sie ein blaues Auge davontrug. Priklopil wäre sogleich ebenfalls über die Schiebetüre in das Fahrzeug eingestiegen, habe die Seitentüre zugezogen, sich über die leere Ladefläche zum Fahrzeugsitz begeben und wäre sofort mit hoher Geschwindigkeit losgefahren. Im Fahrzeug wären, außer dem Fahrer und Beifahrersitz keine Sitze gewesen. Sie wäre auf der leeren Ladefläche im sogenannten „Schneidersitz“ gesessen und wäre während der Fahrt deshalb nicht im Fahrzeug herumgeschleudert worden, weil sie am Rücken ihre schwere Schultasche getragen habe.

Priklopil wäre dann ihrer Einschätzung und Erinnerung nach ziemlich lang im Kreis gefahren und zwar im Bereich Maculangasse/Lieblgasse und Wagramer Straße, wobei NK angab, dass es durchaus 2 1/2 Stunden lange gewesen sein könnte.

Priklopil Wolfgang habe ihr gegenüber gesagt, dass er das deshalb mache, um etwaige Verfolger abzuschütteln. Während dieser Zeit habe sie den Wolfgang Priklopil gefragt, warum er kidnappt, ihm gesagt, dass sich Verbrechen nicht lohnt und wenn er sie gleich freilässt, sie nichts sagen würde. Sie habe ihn gefragt, ob er die vielleicht vergewaltigen und im Wald verscharren würde, worauf Priklopil ihr gegenüber gesagt habe, dass er soetwas nie tun würde.

Anmerkung – Angaben von NK bei der Gegenüberstellung am 3.12.2009:

Sie sei vorerst der Meinung gewesen, dass es sich bei dem Entführer um einen Angestellten ihres Vaters handelte, der auf seinen Vater böse gewesen sein könnte, zumal der Kastenwagen auch weiß gewesen war. Sie habe den Wolfgang Priklopil daher während der Fahrt auch gefragt, ob er ein Angestellter ihres Vaters wäre.

KN brachte vor, dass ihr Wolfgang Priklopil weder damals noch später erklärt habe, warum er nicht sofort vom Tatortbereich weggefahren war. Er habe während der Fahrt lediglich zu ihr gesagt, dass er sie verwirren möchte.

Bereits während des Herumfahrens habe Wolfgang Priklopil auf einen Anruf auf seinem Autotelefon gewartet, das von ihm aber auch vorgetäuscht worden sein könnte, um sie noch mehr zu verwirren, damit sie mehr Angst bekomme, wenn sie dadurch glaube, dass mehrere Leute daran beteiligt sind.

Sie habe zwar von ihrer Sitzposition (Schneidersitz auf der leeren Ladefläche) eine eingeschränkte Sichtmöglichkeit gehabt, habe aber genug sehen können um zu erkennen, wo sie gerade waren. So habe sie auch bemerkt, dass es schließlich Richtung Gerasdorf/Süßenbrunner und Wolfgang Priklopil ausdrücklich gefragt, wo er sie hinbringe und er ihr zur Antwort gegeben "nach Strasshof", worauf sie zu ihm gesagt habe, dass sie den Weg nach Strasshof kenne und das nicht der Weg nach Strasshof wäre, zumal ihr die Örtlichkeit durch ihre Mutter Verwandten bekannt gewesen wäre.

Sie wären dann über die Süßenbrunner Hauptstrasse durch Süßenbrunn, dann durch die Schnellbahnunterführung durch, vorbei am Lebensmittelgeschäft ihrer Mutter (neu) (Süßenbrunn, Pröbstlgasse 1) über die Wagramerstraße in einen Wald abgebogen. Er habe dann zu ihr gesagt, dass er eigentlich gar nichts mit ihr zu tun habe. Priklopil wäre dann nervös im Kreis gelaufen und habe dann so getan, als ob er jemanden anruft oder auf einen Anruf warten würde, sie habe aber kein Läuten seines Telefones oder ein Gespräch über das Telefon gehört. Der Aufenthalt im Wald habe nur 10 bis 15 Minuten gedauert. Während der Fahrt habe Priklopil schon von Lösegeld, aber ohne eine Summe zu nennen, gesprochen. Priklopil Wolfgang habe zu ihr auch tatsächlich gesagt, dass sie bald Anderen übergeben werde.

Priklopil wäre dann mit dem Tatfahrzeug vor der Garage seines Hauses in Strasshof, Heinestraße 60 stehen geblieben. Zu dieser Zeit wäre es früher Nachmittag gewesen. Priklopil habe sie in eine hellblaue Decke gewickelt und in die Garage getragen.

Anmerkung Gegenüberstellung vom 03.12.2009: KN brachte konkret vor, dass am gesamten Entführungsvorgang, mit Sicherheit nur Wolfgang Priklopil und sie im Fahrzeug gewesen und auch unterwegs keine Person zu- oder ausgestiegen wäre. Wenn sich während der Fahrt außer ihr eine weitere Person im Fahrzeug befunden habe, hätte sie das sicher wahrgenommen und auch der Polizei gesagt.

In der Garage habe er sie vorerst auf einen der ausgebauten Mercedes Sitze gesetzt, sie wäre noch immer in die hellblaue Decke eingewickelt gewesen und sie mit einem groben Draht auf dem Sitz fixiert, in dem er diesen um ihre Taille gewickelt habe, das aber nicht sehr fest und schmerzhaft gewesen wäre und glaube sie, dass das nur einfach dazugehörte, zur Entführung.

Sie hatte den Eindruck, dass er sie zunächst auf das Blech, dass das Herausziehen des Safes erleichtern sollte, legte, dann selbst in das Verlies gekrochen wäre und sie hineingezogen habe. Zu dieser Zeit wäre sie noch immer in der hellblauen Decke eingewickelt gewesen.

Im Raum selbst wäre sie dann am Boden gelegen und es wäre finster gewesen. Priklopil habe ihr gegenüber gesagt, dass er eine Glühbirne holen werde, und wäre dann nach einer halben Stunde wieder gekommen und hätte Licht gemacht.

Zu dieser Zeit wären lediglich das Nirosta Waschbecken und die Toilette, jedoch ohne Klobrille, im Raum gewesen. Sie habe einen Laminatfußboden gesehen und auch wahrgenommen, dass die Wände mit hellen Holzpaneelen, die später unter ihrer Mitwirkung mit Gipsplatten verkleidet worden wäre, verkleidet gewesen. In einer Höhe von ca. 40 cm über dem Boden wären in der Wand 4 Schraubhaken und auf diesen eine Art Holzbrett aufgelegt gewesen. Dieser Raum habe auf NK wie eine Sauna gewirkt, zumal sie das gekannt habe und auch gewusst habe, dass Leute im Keller durchaus eine Sauna haben. Das Holzbrett und die Haken habe Priklopil am ersten Tag entfernt.

Priklopil wäre dann wieder zu ihr gekommen, habe sie gefragt, ob sie etwas essen wolle und ob sie sonst etwas brauchen würde. KN habe ihm auf diese Frage hin geantwortet, dass sie ein Erdbeerjoghurt, schokoladenüberzogene Butterkekse, eine Zahnbürste, eine Haarbürste und grüne Äpfel haben wolle.

Priklopil habe ihr dann das von ihr Gewünschte in einer Billaeinkaufstasche gebracht. In den Billaeinkaufssack habe sie dann ihre Jacke hineingegeben, um einen Polsterersatz zu haben. Priklopil habe ihr gegenüber dann gesagt, dass er in seine Wohnung nach Wien fahren müsse, um ihr eine Matratze zu bringen. Er habe ihr dann eine etwa 5-8 cm dicke Schaumstoffmatratze und etwas später einen Radiator in den Raum gebracht. Ihren Angaben nach wäre von Anfang an ein Ventilator im Raum montiert gewesen, der dann in Folge von Priklopil und ihr mehrfach ausgetauscht worden wäre.

Auf der Matratze habe sie nur etwa 5 Tage schlafen müssen, dann habe ihr Priklopil eine Gartenliege, mit Federn, die man Aufstellen habe können, mit einer noch dünneren Auflage gebracht. In der Folge habe Priklopil Campingsessel und einen Campingtisch in den Raum gebracht.

Anfangs habe sie nur einmal wöchentlich den Raum zum Waschen verlassen dürfen, das sich dann aber gesteigert habe.


4.10.4.25.2 Einrichtung des Verlieses.

Das Verlies wäre dann sukzessive eingerichtet worden, sie habe mit ihm gemeinsam Ende 1998 oder Anfang 1999 die Gipsplatten im Raum montiert und als Belohnung das Hochbett bekommen. Schon ziemlich am Anfang wäre die Gegensprechanlage montiert worden.

Die Sessel habe sie glaublich zum Namenstag bekommen. Das Badezimmer im Raum habe sie schon 1998 bekommen, weil sie unbedingt einen Spiegel haben wollte.


4.10.4.25.3 Anrede des Wolfgang Priklopil:

KN wäre von Anfang an, mit Wolfgang Priklopil per „Du“ gewesen Spitznamen „Wolfi“ habe sie ihm erst später gegeben. Er habe von ihr verlangt, sich einen anderen Namen auszusuchen, sie habe sich für Bibiane entschieden und sich mit Wolfgang Priklopil auf „Bibi“ geeinigt.


4.10.4.25.4 Fingerverletzung bei Wolfgang Priklopil:

Sie konnte nicht angeben ob es am Tag nach der Entführung war, jedenfalls wäre Priklopil einmal mit einem verletzten Finger gekommen, wobei sie nicht mitbekommen habe, wie er sich diese Verletzung zugezogen habe, er ihr gegenüber gesagt habe, dass ihm jemand unabsichtlich mit einem Hammer verletzt habe.


4.10.4.25.4 Anruf bei P. W. Brigitte am 03.03.1998, um 03.23 Uhr:

Dazu bei ihrer Einvernahme am 15.10.2009 befragt, brachte sie über Vorhalt der Angaben von Brigitta P.W. vor, dass sie sich das zunächst nur so erklären könne, dass sie Priklopil gebeten habe, ihren Eltern mitzuteilen, dass es ihr gut gehe und es so sein könne dass sie dem Priklopil die Mobiltelefonnummer von Brigitta P.W., als die Mobiltelefonnummer ihres Vaters genannt habe, er die Nummer aber auch aus einer anderen Quelle gehabt haben könne. Jedenfalls habe ihr Priklopil erzählt, dass er angerufen und dass sich eine Frauenstimme gemeldet habe.


4.10.4.25.4 Aufenthalte außerhalb des Hauses, aber auf dem Anwesen:

Erstmals habe sie das Haus selbst im Jahre 1999 verlassen dürfen und zwar jeweils in der Nacht für jeweils etwa 5 Minuten. 2000 oder 2001 habe sie dann jeweils in der Nacht etwas im Garten gehen dürfen. Priklopil habe ihr das so erklärt, dass die jetzt nicht mehr so viel in der Zeitung berichtet werde und das Risiko geringer wäre. Sie habe ihm aber versprechen müssen, vernünftig zu sein und keinen Fluchtversuch zu unternehmen.

Später habe sie sich auch tagsüber auf dem Anwesen aufhalten dürfen und bei Gartenarbeiten geholfen. Sie bestätigte, dass sie im Schwimmbad vom Nachbarn Schneider baden durfte, habe aber nur eine Runde schwimmen dürfen und wäre dann von Wolfgang Priklopil im Haus eingesperrt worden.


4.10.4.25.6 Gemeinsame Aufenthalte mit Wolfgang Priklopil außerhalb des Objektes Heinestraße 60:

Zeit Örtlichkeit
2004 im Wald Strasshof spazieren gewesen
2006 im Wald Strasshof spazieren gewesen und den auf dem Anwesen Heinestraße 60 aufgefundenen Maulwurf hingebracht.
Radfahren in Strasshof bis zu einem Modellflugplatz, wobei ihr Wolfgang Priklopil das Fahrrad seiner Mutter überließ
Baumax in der Nähe von Strasshof
2005 Billa in Strasshof
2005 Schlecker in Strasshof
2005 NKD Geschäft in Strasshof, am gleichen Tag wie beim Schlecker
Flohmarkt in Großenzersdorf

Insgesamt vier Mal, dann nicht mehr hingekommen, weil sich der Zahnarzt von NK,

Dr. Valeric Scarlat in 2301 Groß-Enzersdorf, Dr. Anton Karbichler Platz 1,

in der Nähe befand und Wolfgang Priklopil deshalb Angst bekommen habe.

Bergsteiggasse 54 (Eigentum H.) – heimlich angesehen
Strahlenergasse, das abbruchreife Haus einmal besichtigt
Hollergasse 47 – dem Wolfgang Priklopil bei der Renovierung der Wohnung geholfen unter anderem beim Einbau der Fenster
2005/2006 Orth an der Donau, mit dem BMW-850i zum Fischrestaurant gefahren, es jedoch nicht besucht,

weil das Lokal zu voll gewesen wäre. Dieses Lokal wurde auch vom Nachbarn Schneider frequentiert.

01.02.06 Donauzentrum – Kauf der Schihose für den Schiausflug am Hochkar
Danach Tagesschiausflug am Hochkar mit dem BMW 850i, Priklopil zog sich eine Knieverletzung zu,

welche dann von Dr. Afiffi in der Ordination in Wien, Steigenteschgsse 13 behandelt wurde.

2006 Veranstaltungshalle von Ing. Ernst H. in der Perfejtastraße 88 insgesamt 3 Mal und zwar:

1 Mal um den Anhänger abzuholen, H. angetroffen

1 Mal gemeinsam „Bleche“ gebogen, H. nicht anwesend

1 Mal in Mercedes Sprinter der vor der Halle geparkt war, mehr als eine halbe Stunde lang

alleine auf dem Beifahrersitz gesessen, während Priklopil in der Halle war (Wahrnehmung von C. Florin)


4.10.4.25.7 Aufzeichnungen über von Wolfgang Priklopil bekommenes Taschengeld in der Höhe von jeweils wöchentlich 1 Euro im Zeitraum von 21.02.2003 bis 20.02.2002:

KN bestätigte bei ihrer Einvernahme am 15.10.2009, dass sie dieses Taschengeld von Wolfgang Priklopil bekam und dass sie diese Aufzeichnungen machte. Mit diesem Taschengeld wären Mickey Maus Hefte oder Pferdehefte gekauft worden.


4.10.4.25.8 Häufige Telefonate zwischen Ing. Ernst H. und Wolfgang Priklopil:

Nach den Angaben von NK habe Wolfgang Priklopil vom Festnetzanschluss im Haus Heinestraße 60, stundenlang mit H. telefoniert. Anfangs habe sie bei diesen Telefonaten nicht anwesend sein dürfen. Priklopil habe ihr aber schon damals erklärt, als sie bei diesen Telefonaten mit H. nicht anwesend sein durfte, dass H. immer so viel redet und dann die Rechnung wieder so hoch werde. Er habe damals aber nicht von H. sondern vom „Ernstl“ oder „Woody“ gesprochen. soweit sie diese Gespräche mithören konnte, wäre es immer um die Wohnungen oder irgendwelche Bauanleitungen gegangen.


4.10.4.25.9 Motiv ihrer Entführung

KN habe sich das mehrfach überlegt und wäre zu dem Ergebnis gekommen, dass es dafür keine schlüssige eindeutige Erklärung geben würde. Sie habe Priklopil mehrfach gefragt, warum sie entführt wurde und habe er ihr mehrere verschiedene Antworten gegeben.

Ursprünglich habe Priklopil von einer Lösegeldforderung gesprochen und auch, dass es Mittäter gäbe. Später habe er dann zu ihr gesagt, dass er darüber nicht mehr sprechen wolle.


4.10.4.25.10 Auslöser für die Flucht von NK am 23.08.2006:

Anmerkung: Dieser Sachverhalt wurde vorerst durch Ing. E.H. bei seiner Beschuldigtenvernehmung am 15.10.2009 bekannt, dem es Wolfgang Priklopil während er sich auf der Flucht im Fahrzeug von H. befand, erzählt. Von NK wurde dieser Sachverhalt erstmals bei ihrer Einvernahme am 13.11.2009 erzählt.

Ihren Angaben nach, habe es schon einige Tage vor dem 23.08.2006 zwischen ihr und Wolfgang Priklopil eine Auseinandersetzung wegen Zucchini gegeben, weil diese schon überreif und riesengroß gewesen wären. Am 23.08.2006 habe NK auf die Zubereitung der Zucchini gedrängt, Priklopil habe aber vorher seine Telefonate führen wollen und habe ihr aufgetragen, das Auto zu saugen. Deswegen sei es dann zwischen ihr und Wolfgang Priklopil zu einem Streit gekommen und sie eine günstige Gelegenheit für die Flucht genutzt.


4.10.4.25.11 Fluchtversuche von NK:

Der NK wurden bei ihrer Einvernahme am 13.11.2009 auch die niederschriftlich festgehaltenen Angaben von Ing. Ernst H. in seiner Beschuldigtenvernehmung vorgehalten, wonach er bei den mit ihr geführten Telefonaten von ihr selbst erfahren habe, dass sie vor der Flucht am 23.08.2006, schon einmal vom Anwesen in Strasshof, Heinestraße 60 geflüchtet, jedoch wieder freiwillig zurückgekehrt wäre und einmal während der gemeinsamen Arbeiten in der Wohnung in Wien, Hollergasse 47 geflüchtet, von Wolfgang Priklopil gesucht, jedoch wieder freiwillig in die Wohnung zurückgekehrt wäre.

K. bestätigte die diesbezüglichen Angaben von Ing. Ernst H. grundsätzlich und dass sie ihm diese Sachverhalte bei Telefonaten erzählte.

Sie habe ebenfalls im August 2006 vorgehabt vom Anwesen in der Heinestraße 60 zu flüchten und auch einen Fluchtversuch unternommen. Weil es ihr aber vor den Augen „schwarz“ geworden wäre, sei sie wieder in den Garten des Hauses zurückgekehrt, es aber nicht stimmen würde, dass sie freiwillig wieder zurückkehrte, sondern zurückgekehrt wäre, weil es ihr „schwarz“ vor den Augen geworden wäre.

Es wäre auch richtig, dass sie, als sie sich gemeinsam mit Wolfgang Priklopil in der Wohnung Hollergasse 47 aufgehalten und dort mitgearbeitet habe, sich von Priklopil 4-8 Meter entfernt habe, Priklopil das offensichtlich gemerkt, nach ihr gerufen habe und sie dann wieder zu ihm zurück gekommen sei, weil sie eingeschüchtert gewesen wäre.


4.10.4.25.12 Wahrnehmungen von NK über Aufenthalte von Ing. Ernst H., während sie im Verlies war:

Wie sie im Verlies war, wäre Ing. Ernst H. öfters gekommen und habe Wolfgang Priklopil bei Arbeiten geholfen oder sich Werkzeug ausgeborgt. Das würde aber nicht heißen, dass H., obwohl er oft dort war, zwangsläufig gewusst haben muss, welche Nachbarin Priklopil (gemeint ist NK) gehabt habe.

Priklopil wäre eher ein Eigenbrötler gewesen und habe nur mit dem Nachbarn Schneider Kontakt gehabt. Sie nehme nicht an, dass sich H. große Gedanken über sie als „Nachbarin“ gemacht habe, H. aber ein Typ wäre, der sich nicht die Finger verbrennen wolle. Ob sich H. wirklich Gedanken gemacht habe, wisse sie nicht.


4.10.4.25.13 Telefonate und andere Kontakte zwischen NK und Ernst H. nach dem Freikommen der NK am 23.08.2006

KN hatte weder bei ihrer Einvernahme am 15.10.2009, noch am 13.11.2009 durch den fallbefassten EOStA Dr. Mühlbacher, von sich aus angegeben, dass sie nach ihrem Freikommen am 23.08.2006, zu – Ing H. einen telefonischen und persönlichen Kontakt hatte.

Erstmals wurde bei der Verhandlung am 18.07.2009 im Landesgericht für Strafsachen Wien durch Ernst H. selbst bekannt, dass er von NK nach deren Freikommen angerufen worden war.

H. Ernst gab bei seiner Beschuldigtenvernehmung an, dass er erstmals von NK am 26.10.2006 auf dem Festnetzanschluss XX seiner Veranstaltungshalle, von NK angerufen und mit ihr ab 22 Uhr oder 23 Uhr ein ca. 5 Stunden langes Gespräch geführt habe.

Am 28.10.2006, habe er ab 08: 23 Uhr, auf seinem Mobiltelefonanschluss xxx, mit NK ein 3 Stunden und 46 Minuten langes Telefonat geführt.

Am 1.11.2006, habe er ab 10.12 Uhr, auf seinem Mobiltelefonanschluss xxx, mit NK 40 Minuten telefoniert.

Am 10.11.2006, habe er ab 22.00 Uhr, auf seinem Mobiltelefonanschluss xxx, mit NK 4 Stunden lang telefoniert.


Nach den Angaben des E.H habe er mit NK seit ihrem Freikommen an die Hundert Telefonate geführt. Am Anfang wäre er mit ihr per „sie“ gewesen, sich dann aber mit „Du“ angesprochen, wobei seinen konkreten Angaben nach, bei all diesen Telefonaten sie sich nie mit einem Namen angesprochen hätten, zumal Natascha befürchtet habe, dass sie abgehört werden und dem Ing. Ernst H. wiederum bekannt gewesen wäre, dass es der Polizei möglich wäre, wenn in einem Telefonat ein Reizwort z.B. Schnee gesagt werde, das Gespräch automatisch aufgezeichnet werde. Demnach ist die Aussage zulässig, dass diese Gespräche konspirativ geführt wurden.

Bei diesen Telefonaten habe der Ing. Ernst H. viel über Wolfgang P. erzählt und von N. auch sehr viel von ihrer Entführung bzw. Gefangenschaft im Haus, aber auch davon erzählt bekommen, dass sie mit Wolfgang Priklopil während dieser Zeit auch gemeinsame Unternehmungen außerhalb des Anwesens in Strasshof, Heinestraße 60 unternommen habe.

H. Ernst gab bei seiner Beschuldigtenvernehmung auch an, dass er die NK, als sie in einer gesicherten Wohnung im AKH untergebracht war, Ende Dezember 2006 einmal besucht und mit ihr dabei Gespräche geführt habe. Diese Gespräche wären vom Inhalt her, ähnlich wie die Inhalte der Telefonate gewesen.

Weiters gab Ing. Ernst H. an, dass NK im Zusammenhang mit der Verlassenschaftsabwicklung nach dem Tod von Wolfgang Priklopil, von seiner Schwester Mag. Margit W. in mittelbarer Nähe ihrer Wohnung mit dem Fahrzeug abgeholt und zur Wohnung von Mag. Margit W. gebracht worden war. Dort habe seinen Angaben nach zwischen seiner Schwester und NK Gespräche stattgefunden, bei denen er auch zeitweise dabei gewesen wäre. Seine diesbezüglichen Angaben wurden von seiner Schwester Mag. Margit W. bei ihrer zeugenschaftlichen Einvernahme am 19.11.2009 bestätigt.

KN wurde bei ihrer Einvernahme am 13.11.2009 durch den fallbefassten EOStA Dr. Mühlbacher mit den diesbezüglichen Angaben von Ing. Ernst H. konfrontiert. Sie bestätigte dabei, dass sie den Ing. Ernst H. erstmals Ende 2006 oder Anfang 2007, angerufen habe. Zu den Angaben von Ing. Ernst H., es wären an die 100 Telefonate gewesen, meinte NK, dass es aus ihrer Sicht auch 70 gewesen sein könnten.

Als Grund für ihren Erstanruf bei Ing. H. brachte sie vor, dass sie erfahren habe, dass er irgendeine Rolle in der Verlassenschaftssache nach Priklopil spielen soll und sich auch um die Mutter von Wolfgang kümmern soll. Auch habe sie wissen wollen, welche Rolle H. in diesem Zusammenhang spielt, ob er irgendwie Mitwisser oder Mittäter war.

Bei einem der Telefonate mit Ernst H. habe ihr dieser auch erzählt, dass Priklopil zu ihm gesagt habe, dass hinter dem Tresor sich etwas Wichtiges befinde, wobei H. aber eher auf Geld oder Dokumente getippt habe.

In einem der Telefonate habe ihr H. auch erzählt, dass er gemeinsam mit Rudolf H. kurz nach ihrer Entführung schon diskutiert habe, ob Wolfgang Priklopil, den sie beide kennen, nicht ihr Entführer gewesen sein könnte, weil sie Priklopil diese zugetraut hätten, zumal er immer gesagt habe, er wolle ein unbeflecktes junges Mädchen, das seine Pedanterie mitmache.

Weiters habe ihr H. bei einem Telefonat erzählt, dass es ihm beim Zusammentreffen bei der Halle mit ihr schon irgendwie gedämmert habe, was damals mit Hürner geredet wurde, er aber nicht realisieren habe können, wer sie wirklich war. Grundsätzlich habe H. ihr gegenüber mit Sicherheit gesagt, dass es ihm schon komisch vorgekommen wäre, dass ihm Priklopil eine so junge Nachbarin vorgestellt habe, er aber bei Priklopil nicht nachfragen habe wollen.

KN bestätigte bei ihrer Einvernahme, dass Ing. Ernst H. sie einmal in ihrer Wohnung im AKH aufgesucht habe und sie mit ihm Gespräche geführt habe. Sie habe den Ing. Ernst H. sehen und wissen wollen wie er aussieht und ob er ein schlechtes Gewissen habe.


4.10.4.25.14 Ausfolgung von persönlichen der NK gehörigen Gegenständen, die nach wie vor beim LKA Burgenland in Verwahrung waren:

KN stellte bei ihrer Einvernahme am 15.10.2009 in Absprache mit ihrem Anwalt Dr. Ganzger das Ersuchen, ihre persönlichen Gegenstände, die nach wie vor beim LKA Burgenland in Verwahrung waren, ausgefolgt zu bekommen.

Über Auftrag des fallbefassten EOStA Mühlbacher wurden durch CI Linzer und Oberst Kröll, am 20.10.2009, um 18:20 Uhr, die in einer Tabelle (Spurenbox IV, Raum N und Raum O) aufgelisteten persönlichen Gegenstände beim Landeskriminalamt Burgenland von BI Eisenberger übernommen und die Übergabe durch Oberst Kröll auf dieser Tabelle bestätigt.

Es stellte sich heraus, dass sich in der Geldbörse Bargeld in der Höhe von € 25,58 befand, das in der Auflistung nicht angeführt ist und festgestellt wurde, dass zahlreiche Schulhefte und Rechnungen (an die hundert) diverser Geschäfte, welche im Verlies aufgefunden und in Verwahrung genommen worden waren, scheinbar keiner weiteren Betrachtung und Auswertung zugeführt wurden. Über Auftrag des fallbefassten Staatsanwaltes wurde eine Auswertung durchgeführt und dabei Erkenntnisse gewonnen. Eine fotografische Dokumentation wurde durchgeführt.

Der NK wurden durch CI Linzer am 24.11.2009 in Strasshof ihre persönlichen Gegenstände gegen Unterschriftsleistung ausgefolgt. Davon wurde der fallbefasste EOStA Dr. Mühlbacher in Kenntnis gesetzt.

Die Tabelle mit der Auflistung der persönlichen Gegenstände von NK, die Ergebnisse der durchgeführten Auswertungen, die fotografische Dokumentation der Gegenstände und die bestätigte Übernahme der ausgefolgten Gegenstände an NK am 24.11.2009 in Strasshof durch CI Linzer, sind dem Abschlussbericht als Beilage 14 angeschlossen.


4.10.4.25.15 Gegenüberstellung (§ 162) zwischen NK und Ischtar A. am 03.12.2009, mit Beginn um 18:30 Uhr, im ho. Bundeskriminalamt:

KN erklärte sich gegenüber CI Linzer bereit, mit der damaligen Tatzeugin Ischtar A. ein Gespräch mit dem Ziel zu führen, dieser Zeugin einerseits die nach wie vor bestehende Angst zu nehmen, dass der aus ihrer Sicht an der Tat beteiligte zweite Mann gegen sie vorgehen könnte und andererseits durch dieses Gespräch die bestehende Widersprüche zwischen ihren Angaben und den Angaben der Tatzeugin Ischtar A. abgeklärt werden können.

Aufgrund dieser Bereitschaft von NK wurde durch Oberst Kröll sowohl mit Ischtar A., als auch mit deren Mutter Rosa A. ein ausführliches Gespräch geführt und dabei von beiden Personen ebenfalls die Bereitschaft zu einem Gespräch mit NK mit den angestrebten Zielen erreicht.

Nachdem sowohl von NK als auch von der Tatzeugin Ischtar A. die Bereitschaft zu einem Gespräch mit den angestrebten Zielen erreicht werden konnte, ist eine Gegenüberstellung nach § 163 Strafprozessordnung insbesondere im Fall voneinander abweichende Aussagen zulässig, wenn anzunehmen ist, dass dadurch Widersprüche abgeklärt werden können.

Nach Rücksprache und im Einvernehmen mit dem fallbefassten EOStA Dr. Mühlbacher, wurde am 0312.2009 mit Beginn um 18:30 Uhr, im ho. Bundeskriminalamt, eine Gegenüberstellung (§163) durchgeführt.

Ergebnis: A. Ischtar hat sich scheinbar bei ihrer damaligen Wahrnehmung aufgrund des von ihr dabei „Erlebten“ geirrt. Sie bezweifelte die Angaben der NK keinesfalls, dass an ihrer Entführung zur Tatzeit am Tatort, nur Wolfgang Priklopil beteiligt war.

Vom Ergebnis der Gegenüberstellung wurde der fallbefasste EOStA Dr. Mühlbacher durch Oberst Kröll sogleich telefonisch in Kenntnis gesetzt.

Die Gegenüberstellung wurde in einem Amtsvermerk (§95) ausführlich dokumentiert. Dieser Amtsvermerk ist dem Abschlussbericht als Beilage 15 angeschlossen.


4.10.4.25.16 Übernahme und Auswertung von durch NK am 26.11.2009 dem CI Linzer übergebene Disketten für den Commodore C64 mit dem Ergebnis, dass keine von ihr bezeichnete Daten festgestellt werden konnten:

KN übergab dem CI Linzer am 26.11.2009, als ihr die Schlüssel zum Haus Heinestraße 60 zurückgebracht wurden, zahlreiche 5 ¼ Zoll Disketten für den Commodore 64 mit der Bemerkung, dass sich darauf Namen, Adressen oder Telefonnummern befinden könnten.

Die Auswertung dieser Disketten durch BI Dengg, LKA Wien, AB 06-IT Beweissicherung, erbrachte, dass auf den relevanten Disketten, derartige Daten nicht vorhanden sind.

Der Bericht über die durchgeführte Auswertung, datiert mit 11.12.2009, ist dem Abschlussbericht als Beilage 16 angeschlossen.

Eine Rückgabe dieser Disketten an NK wurde veranlasst.


Wird fortgesetzt!

<references>