Anlassbericht vom 24.09.2009

Aus Justizskandal Kampusch
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Der Anlassbericht vom 24.09.2009 ist ein Bericht des Evaluierungs-Ermittlungsteams an die Oberstaatsanwaltschaft Wien. Eine Auflistung aller Berichte findet sich hier: Ermittlungsteam ab 1.12.2008 bis 10.12.2009

Auszug: ...

3. ORF Journalist Mag. Martin H - Hinweisgeber betreffend Reinigungs-Unternehmer Reinhard G welcher ihm gegenüber behauptet habe, er habe ein Video, das den ehemaligen Polizeigeneral H in Aktion mit NK zeigen würde:

Aufgrund der im Amtsvermerk vom 14.09.2009 festgehaltenen Angaben des ORF-Journalisten Mag. Martin H, wurde in der Folge eine zeugenschaftliche Einvernahme des Reinhard G. am 14.9.2009, mit Beginn um 16:15 Uhr im ho. Bundeskriminalamt durchgeführt. G. Reinhard war im Zusammenhang mit Missbrauchsfällen im Fall des "August Aichhorn Hauses" Gegenstand von Ermittlungen und in diesem Zusammenhang auch in Untersuchungshaft, wurde letztendlich aber dann freigesprochen. Dem Reinhard G wurden die Angaben des Mag. Martin H vorgehalten und meinte er dazu, dass diese nur teilweise richtig wären. So habe er nie behauptet, dass es ein Video gäbe, sondern ein Bild geben soll auf dem ein Mädchen, das eine Ähnlichkeit mit einer Abgängigen aus Wien habe, abgebildet ist. Das habe er nach dem Zusammenkommen mit Mag. Martin H in einem Telefonat mit seinem Bekannten in Thailand, dessen Namen er nicht bereit war zu nennen, erfahren. Dieser Bekannte habe ihm nie gesagt, dass auf diesem Bild NK abgebildet ist.

Aufgrund der widersprüchlichen Angaben zwischen Mag. Martin H und Reinhard G, wurde mit Mag. Martin H in den Vormittagsstunden des 16.9.2009 telefonisch durch Oberst Kröll herangetreten und er auf die Widersprüche aufmerksam gemacht. Daraufhin antwortete Mag. Martin H dem Oberst Kröll auf dem E-Mailwege am 16.9.2009, um 12:44 Uhr und wurde ihm zu seiner Mitteilung, durch Oberst Kröll am selben Tag um 13:38 Uhr, auf dem E-Mailwege eine Rückmeldung übermittelt.

Die Angaben des Reinhard G werden als unglaubwürdig bewertet. Warum er gegenüber Mag. Martin H derartige "Behauptungen" aufstellte, dürfte unter anderem in seiner Persönlichkeit liegen, wobei er sich selbst als "Opfer" im Fall des "August Aichhorn Hauses" bezeichnet.

Der Amtsvermerk über die Befragung des Mag. Martin H, das Protokoll über die zeugenschaftliche Vernehmung von Reinhard G und der E-Mailverkehr vom 16.9.2009 zwischen Mag. Martin H und Oberst Kröll, sind als Beilage 3<ref>Beilage 3 zum Anlassbericht vom 24.09.2009</ref> angeschlossen.




Zusammenfassung

Mit 2. Anlassbericht vom 24.9.2009 (ON 16) teilte Oberst Franz Kröll dem EOStA Dr. Thomas Mühlbacher das Ergebnis der Erhebungen zur Verletzung des Wolfgang Priklopil vom 3.3.1998 mit. Danach ergebe sich aus der Krankengeschichte, dass Wolfgang Priklopil am 3.3.1998, 17.49 Uhr, wegen seiner Fingerverletzung erstbehandelt worden sei und bis zum 29.4.1998 mehrere Nachbehandlungen in Anspruch genommen habe, wobei ihm erst am 1.4.1998 der Bohrdraht an der Fingerspitze entfernt worden sei.

Mitgeteilt wurde weiters, dass aufgrund einer Mitteilung des Univ.Prof.DDr. Ludwig Adamovich die Hinweisgeberin Gertrude Sch. am 1.9.2009 befragt worden sei. Die Genannte habe Angaben zu Natascha Kampusch und deren Mutter Brigitta Sirny gemacht, die mit Aktenvermerk festgehalten worden seien. Sie habe auf der Website der Kronenzeitung zu Artikeln in Sachen Kampusch unter dem Nicknamen „Pirat 500“ 151 Postings eingestellt, die Brigitta Sirny in einem schlechten Licht erscheinen ließen. Aus dem Amtsvermerk des BKA vom 3.9.2009 zu ihrer Befragung ist ersichtlich, dass sie Natascha Kampusch vor ihrer Entführung als auffälliges Kind beschrieb, das mit ihrem (Sch.s) Sohn Mario M. die Schule besucht habe und auch öfter in ihrer Wohnung gewesen sei. Von Mathilde H. habe sie erfahren, dass deren Tochter erzählt habe, Natascha sei bei der Entführung freiwillig ins Tatfahrzeug eingestiegen. Eine Rückfrage bei Mathilde H. habe ergeben, dass diese Behauptung unwahr sei. Insgesamt kam Oberst K. zum Schluss, dass die Angaben der Gertrude Sch. mit Vorsicht zu bewerten seien. Den Angaben der Gertrude Sch. zu einem Verhältnis des Ludwig Koch mit der Ordinationsgehilfin Silvia H. sei nachgegangen worden. Silvia H. habe angegeben, dass sie ungefähr zwei oder drei Wochen vor der Entführung von Natascha K. beim Kreisverkehr am Rennbahnweg einen weißen Kastenwagen wahrgenommen habe, wobei sie den Lenker des Fahrzeuges aber nicht gesehen habe. Die Befragung des Mario M. erbrachte keine neuen Erkenntnisse.

Berichtet wurde im Übrigen über den Hinweis des ORF-Journalisten Mag. Martin H., der angab, Reinhard G. habe ihm gegenüber behauptet, ein Video zu haben, das den ehemaligen Polizeigeneral H. „in Aktion“ mit Natascha K. zeigen würde. Am 14.9.2009 sei Reinhard G. als Zeuge einvernommen worden, der angab, er habe nie von einem Video gesprochen, sondern von einem Bild, das ein Mädchen zeige, das eine Ähnlichkeit mit einer Abgängigen aus Wien habe. Von diesem Foto habe er von seinem Bekannten in Thailand gehört, doch habe dieser Bekannte nie gesagt, dass auf diesem Bild Natascha K. abgebildet sei. Oberst K. bewertete die Angaben des Reinhard G. als unglaubwürdig.

Aus dem Anlassbericht ergibt sich weiters die Befragung der Eva N., die sich mit einem Hinweis an Univ.Prof.DDr. Ludwig A. gewandt hatte. Danach hätten Wolfgang P. und Ing. Ernst H. eine katholische Privatschule besucht. Die nachvollziehbaren Erkenntnisse über die von ihr genannten Personen hätten aber ergeben, dass dies nie der Fall gewesen sei.

Berichtet wurde auch über drei anonyme Eingaben von November 2008 und August 2009 gerichtet an Univ.Prof.DDr. Ludwig A., die mit „Einige Bewohner der Rennbahnsiedlung“ unterzeichnet wurden und massive Anschuldigungen gegen Brigitta S. und Natascha K. enthielten und aufgrund bestehender Übereinstimmungen ein und demselben Verfasser zuzuordnen waren.

Am 25.9.2009 wurde EOStA Dr. Thomas M. eine GIS-Auswertung des BKA vom 21.9. 2009 (ON 17) überbracht, die eine geografische Visualisierung (Zeit-/Weg-Historie) der Entführung aufgrund der bestehenden Zeugenaussagen der Ischtar A., der Brigitta S., der Bettina H., der Mathilde H. und des Ehepaars H. zum 2.3.1998 enthält. Darin wurden auch die abweichenden Aussagen der Ischtar A. geografisch visualisiert und konnten aufgrund der erstellten Zeit-/Weg-Historie Unstimmigkeiten in den Aussagen erkannt und zusammengefasst dargestellt werden. Danach dürften die Angaben der Ischtar A., kurz nach 7 Uhr das Haus verlassen zu haben, unrichtig sein, vielmehr sei aufgrund der übrigen Zeugenangaben zu schließen, dass sie gegen 7.11 Uhr das Haus verlassen habe und 1-2 Minuten später am Tatort gewesen sei. Zur Flucht des Tatfahrzeuges habe Ischtar A. unterschiedliche Angaben gemacht. Einmal habe sie den Fluchtweg Rennbahnweg/Melangasse angegeben, bei einer späteren Aussage habe sie das Tatfahrzeug nach der ersten Gasse nach dem „Ingeborg Bachmann Platz“ wieder erkannt. Danach sei das Fahrzeug in Richtung Panethgasse gefahren. Auch von der Zeugin Mathilde H. sei der Fluchtweg in Richtung Melangasse beobachtet worden. Diese Route wäre der zweitschnellste Weg in Richtung Strasshof. Der schnellste Weg wäre den Kreisverkehr verlaufend zurück zum Rennbahnweg gewesen. Widerlegt werde dieser Fluchtweg jedoch von Ischtar A. selbst mit späteren Angaben, wonach das Fahrzeug von der Panethgasse rechts kommend in Richtung Seebaldgasse gefahren sei mit Weiterfahrt über die Brabbee- Gasse. Die Aussage des Ehepaars H. entspreche aber weder der ersten, noch der zweiten Wahrnehmung der Ischtar A., vielmehr sei das Tatfahrzeug deren Angaben zufolge vom Kreisverkehr Panethgasse in Richtung Wagramer Straße gefahren und bei dieser Kreuzung rechts in Richtung stadteinwärts abgebogen. Aufgrund der Zeugenaussage der Mutter der Ischtar A. und dem logisch errechneten Fußweg von Natascha K. müsse davon ausgegangen werden, dass die Tat um ca. 7.16 Uhr verübt worden sei und das Auto um ca. 7.18 Uhr vom Tatort weggefahren sei. Bei der Route über die Brabbee-Gasse würde die Fahrtzeit ca. 4 min. bis zum Kreisverkehr Rennbahnweg/Panethgasse betragen. Somit hätte sich das Fahrzeug um ca. 7.22 Uhr im Bereich Rennbahnweg/Panethgasse befunden. Dieser errechnete Zeitraum decke sich mit der Aussage des Ehepaars H., wonach das Fahrzeug zwischen 7.15 Uhr und 7.30 Uhr in diesem Bereich gesichtet worden sei. Die Zeugin Bettina H. habe angegeben, um ca. 7.05 Uhr in Höhe des Kreisverkehrs Rennbahnweg/Panethgasse Natascha K. gesehen zu haben. Nach der Wegkonstruktion des Schulweges der Natascha K. müsse sich diese um ca. 7.11 Uhr im Bereich des KreisverkehrsRennbahnweg/Panethgasse aufgehalten haben.


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