Beilage 3 zum Anlassbericht vom 24.09.2009

Aus Justizskandal Kampusch
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BK Amtsvermerk vom 14.9.2009 von Oberst Franz Kröll

Am 12.8.2009, um 18:40 Uhr, wurde der Gefertigte auf seinem Mobiltelefon XXX vom ORF Journalisten Mag. Martin H unter der Mobiltel. Nr. XXX angerufen. Er brachte vor, dass er bereits mit dem Präsidenten A. Gespräche geführt habe und dabei auch von ihm meine Mobiltelefonnummer erhalten habe.

Herr Mag. Martin H. teilte in diesem Gespräch mit, dass er sich schon seit einiger Zeit mit dem Fall des August Aichhorn Hauses bei dem es Missbrauchsfälle gegeben habe, beschäftige. Dabei wäre auch mit dem ehemaligen Sonderschullehrer Herbert Slezak, der seinerzeit maßgeblich versucht hat diesen Fall durch die Polizei aufzuklären zu lassen, in Kontakt gekommen. Dieser Herbert Slezak habe ihm wiederum einen Kontakt zu einem der Hauptverdächtigen, nämlich Reinhard G., hergestellt so dass es letztendlich Ende Juli 2009 zu einem Treffen zwischen ihm, Herbert Slezak und dem Reinhard G. in einer Konditorei, welche sich im Bereich der Tuersgasse in Wien befindet, kam.

Bei diesem Treffen habe Reinhard G. sowohl ihm gegenüber als auch gegenüber Herbert Slezak konkret behauptet, dass er über ein Video verfügen würde, welches den ehemaligen Polizeigeneral H. in Aktion mit NK. zeigen würde. Mag. Martin H. habe mehrmals versucht den Reinhard G. zur Herausgabe des Videos zu bewegen, wobei Reinhard G. mit der Behauptung dieses Video würde sich in einem Tresor befinden, den Mag. Martin H. immer vertröstet habe. G. Reinhard und der Sonderschullehrer Herbert Slezak sollen Kontakt zueinander halten.

Über die Person des Reinhard G. befragt, brachte Mag. Martin H. vor, dass er Reinhard G. schwer einschätzen könne, zumal er mit ihm nur einmal und zwar im gegenständlichen Fall zu tun hatte. Auf ihn habe Reinhard G. einen verschlagenen Eindruck gemacht, der jedoch, so hat es ihm Herbert Slezak erzählt, Kontakte zu einem Pädophilennetzwerk haben soll.


BK Zeugenvernehmung Reinhard G. vom 14.9.2009 durch Oberst Franz Kröll und CI Kurt Linzer

Mir wurden in dem mit mir geführten Vorgespräch durch die mich nun vernehmenden Beamten der Grund meiner Vernehmung ausführlich dargelegt. Demnach wurde mir mitgeteilt, dass der ORF Journalist Mag. Martin H. angab, dass er sich mit ihnen über Vermittlung des Sonderschullehrers Herbert Slezak. Ende Juli 2009 in einer Konditorei in Wien, im Bereich der Tuersgasse traf, mit ihnen ein Gespräch führte und sie ihm gegenüber unmissverständlich erklärt hätten, dass sie über ein Video verfügen würden, wo der ehemalige Polizeipräsident H. in Aktion mit NK. zu sehen sei. Herr Mag. H. hat konkret angegeben, dass er von ihnen dieses Video haben wollte, worauf sie ihn mehrmals vertröstet und zu ihm in der Folge gesagt hätten, dieses Video wäre sicher in einem Tresor verwahrt.

Ich habe bereits in dem mit mir geführten Vorgespräch zum Ausdruck gebracht, dass es richtig ist, den Mag. Martin H. über Vermittlung des Herbert Slezak im Cafe Schwarz in der Auhofstr. 136 oder 138, in der Nähe der Tuersgasse kennen gelernt und mit ihm gesprochen zu haben.

Die Behauptungen des Mag. Martin H. sind nur teilweise richtig. Keinesfalls habe ich von einem Video, sondern von einem Foto gesprochen. Bei diesem Gespräch mit ihm in der Konditorei Schwarz ist es aber noch nicht um dieses Foto gegangen, sondern lediglich um die Sache in Strasshof. Mit der Sache Strasshof meine ich, den mir seinerzeit zur Last gelegten Fall, wo ich letztendlich rechtskräftig freigesprochen wurde. Bei diesem Gespräch im Cafe erzählte ich dem Mag. Martin H. unter anderem, dass es in Thailand eine von mir nicht überprüfte Situation gibt, wo ein Wiener Präsident mit einer Minderjährigen irgendwie aktiv ist.

Nach dem Gespräch im Cafe trennten wir uns. Herr Mag. Martin H meinte, dass mein Leben hoch gefährdet sei und er mir vorschlug zum Präsidenten Dr. A. nach XX zu fahren, weil mich dieser dort erwarten würde. Auch erklärte er mir, dass er meine Angaben im Auto auf der Fahrt nach XX aufnehmen möchte, damit dieses Wissen bzw. diese Information nicht verloren geht, wenn mir etwas zustossen würde. Dieses Vorhaben habe ich aber abgelehnt und wir trennten uns.

Danach erkundigte ich mich telefonisch bei einem langjährigen Bekannten, dessen Namen ich nicht sagen will, der in Thailand lebt, ob er die Geschichte von dem Wiener Präsidenten kennt. Dieser Bekannte, der ein Freund von Ernst Prosch war, teilte mir bei dem Telefonat mit, dass er von Fotos gehört habe in einer eindeutigen Stellung des Fellatio und dieses Mädchen eine große Ähnlichkeit mit der Abgängigen von Wien gibt. Keinesfalls hat mir dieser Bekannte mitgeteilt, dass es sich bei diesem Mädchen um NK handelte.

Von meinem Freund Ernst Prosch, der in Thailand lebte und sich im vorigen Jahr das Leben nahm, habe ich im letzten Jahr als ich mich in Thailand aufhielt, gehört, dass es seit der Befreiung der NK, Fotos von einem Wiener Präsidenten geben soll, der an einem Mädchen in eindeutiger Pose einen Fellatio vollzieht und meinte der Ernstl, dass das Mädchen eine Ähnlichkeit mit der NK haben soll. Aus meiner Sicht war dieser Ernst Prosch einer der bestinformierten Personen.

Ich befragte meinen Bekannten, ob ich solche Bilder bekommen könne, worauf er sagte, dass man für Geld alles bekommen könne. Mein Bekannter hat mir bei dem Telefonat gesagt, dass er von einem solchen Foto gehört habe. Daraus schloss ich, dass er das Foto selbst nicht sah.

Nach diesem Telefonat mit dem Bekannten in Thailand, habe ich Hr. Mag. Martin H. angerufen und fragte ihn grundsätzlich, was so ein Bild wert sei. Er brachte mir gegenüber zum Ausdruck, dass er nicht bereit sei, etwas zu bezahlen und ersuchte mich ihm dieses Bild zu geben. Mag. Martin H. brachte aber zum Ausdruck, dass er dieses Bild brauchen würde bzw. es haben will. Soweit ich mich erinnern kann, habe ich darauf geantwortet, dass das Bild sicher gut verwahrt ist. Ich kann mich nicht erinnern zu Mag. Martin H. gesagt zu haben, dass das Bild in einem Tresor verwahrt ist.

Ich bleibe dabei zu Mag. Martin H. nie von einem Video gesprochen zu haben. Ich habe das Foto von dem ich in der Folge Mag. Martin H. etwas sagte, persönlich nie gesehen.

Über Befragen gebe ich an, dass mir eine Pädophilenszene in Wien nicht bekannt ist, zumal ich mit diesem Milieu nichts zu tun habe.

Über Befragen, ob ich in letzter Zeit mit einem Journalisten einer Zeitschrift in Deutschland Kontakt im Zusammenhang mit der Pädophilenszene Kontakt hatte, gebe ich an, das ich das mit Sicherheit ausschließen kann.


Mail von Oberst Franz Kröll an Mag. Martin H. vom 16.9.2009

Sehr geschätzter Herr Mag. Martin H.!

Danke für ihre Nachricht. Wie ich ihnen bereits telefonisch mitteilte, hat Hr. G. das Treffen und ein Gespräch mit Ihnen uns gegenüber bestätigt. Er gab von sich aus an, dass sie vorgehabt hätten mit ihm gemeinsam, über ihr Ersuchen hin, nach Baden zum Präsidenten Hr. A. zu fahren. Er stellte entschieden in Abrede, ihnen gegenüber von einem Video gesprochen zu haben. Es sei lediglich von einem Bild die Rede gewesen, auf dem ein Wiener Präsident (Wortlaut G.) und ein Mädchen, bei dem eine Ähnlichkeit von NK nicht auszuschließen wäre, zu sehen sei. Er selbst habe das Bild nie gesehen, sondern die Informationen über so ein Bild von Bekannten/Freunden aus Thailand erhalten. Ob es dieses Bild auch tatsächlich gibt, konnte er nicht bestätigen. Zur Person des G. wäre anzuführen, dass er äußerst provokantes, manipulatives und insbesondere selbstdarstellendes Verhalten zeigte, immer wieder scheinbar bewusst von der Sache selbst in allen nur möglichen Richtungen ablenkte und seine Glaubwürdigkeit bzw. seine Wahrheitsliebe, aus unserer Sicht anzuzweifeln sind. Bei diesem Gespräch brachten wir wirklich sehr lange Verständnis und die eine seinem Verhalten angepasste Geduld auf. Es ist mit ihm besonders schwierige ein sachliches und zielgerichtetes Gespräch aufgrund der vorangeführten Umstände zu führen. Wir bewerten aus unserer Sicht seine Angaben für unglaubwürdig. Er stellte entschieden in Abrede über sogenannte Pädophilennetzwerke in Wien oder Österreich etwas zu wissen und zwar auch nicht ansatzweise und bezeichnete sich selbst als Opfer.

Mit besten Grüßen – Kröll, Oberst

Nachsatz: Vielleicht könnten sie uns zu weiteren Ihnen zugegangenen Informationen berichten. Danke!


Mail von Mag. Martin H. an Oberst Franz Kröll vom 16.9.2009

Lieber Oberst Kröll,

nur der Vollständigkeit halber eine kurze Sachverhaltsdarstellung aus meiner Sicht:

1. Slezak ruft mich an: G. habe ihm gesagt, dass Martin Lischka etwas über Ks Gefangenschaft in Strasshof gewusst habe!

2. Ich bitte Slezak mir möglichst rasch einen Kontakt mit G. herzustellen und informiere A., der mir sagt, ich könnte ihn nachmittags in Baden bei Wien treffen.

3. Slezak ruft an und sagt, dass wir einander in einem Cafe nahe Tuersgasse treffen.

4. Wir treffen G., der allerlei Geschichten über Kinderschändernetzwerke von Indien bis in die USA erzählt. Er selbst sei nicht involviert, nennt aber seinen „Szenenamen“ (welche Szene sagt er nicht): „Ding Dong“. Lischka habe bei seine, G.s Prozeß ausgesagt, dass er, Lischka einmal in einem Haus in Strasshof bezahlten Sex mit einem weiblichen Kind und einem Endzwanziger männlichen Geschlechts gehabt habe. Das müsse in den Vernehmungsprotokollen noch zu finden sein. Ich frage G. ob er gleich nach Baden mitkommen will um das A. zu erzählen. G. sagt nein, er sei zu müde und wolle seinem, Gs, nach seinem Prozess ohnehin angeknacksten Ruf nicht noch mehr schaden. Er werde sich wieder melden.

5. Ich treffe A. und erzähle ihm von der ganzen Sache. Wir kommen in der Binsenweisheit überein, dass wir ohne Beweise nichts ausrichten können, und das es ratsam wäre Lischka zu befragen.

6. G. meldet sich am Montag darauf und sagt mir, dass er seit dem Mittagessen im Besitz brisanten Bildmaterials sei: K. (13-14 Jahre alt) beim Sex mit H. (samt H.s sichtbarem Marschallstab). Er könne mir das Material aber weder zeigen noch geben. Er wolle seine Ruhe haben, meint, dass das Material ohnehin auf anderen Wegen in die Öffentlichkeit kommen werde, wolle mich aber auf ein mehrstündiges Gespräch zum Brainstorming treffen. Ich lehne ab und sage: Ohne Materialübergabe kein Gespräch. Er sagt, das Material liege in einem Safe, der nicht ihm gehöre, für den er aber zeichnungsberechtigt sei. G sagt ist müde, geht zu Bett und ich hätte bis 18 Uhr Zeit, mich zu entschließen wie wir weiter vorgehen.

7. Ich informiere K-H., der mir sagt Lischka habe lediglich einmal in Strasshof gewohnt. Das sei sein, Lischkas einziger Konnex zu Strasshof.

8. Ich informiere A. vom Stand der Dinge, und äußere meine Meinung, dass G. sich mir gegenüber offenbar nur wichtig machen will.

9. Um 18. Uhr rufe ich G. an und gebe ihm eine Stunde Zeit, sich zu entscheiden ob er mir das Material übergeben will oder nicht. Er redet herum, erwähnt Fotos und ein Video, und das alles sehr schwierig sei. Danach reißt der Kontakt ab und ist bis heute nicht mehr aufgenommen worden.

Lieber Oberst Kröll, ich habe den Eindruck, dass sich G. hier trotz Beteuerung er wolle seine Ruhe haben, nur in seinem eigenen Fall ein bisschen interessant machen, bzw. aus seiner eigenen totalen (auch moralischen) Rehabilitierung arbeiten will. Ob das für den Fall K. relevant ist, ist m.E. mittlerweile eher zweifelhaft.

Beste Grüße

Martin H.