Entführung

Aus Justizskandal Kampusch
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Vorgeschichte[Bearbeiten]

Entführung[Bearbeiten]

Grafik vom Entführungsort mit Wegdiagramm
Zeichnung des Entführungsautos von Ischtar 2002
Zeichnung des Entführungsautos von Ischtar 2006
Zeitdiagramm der Entführung

Aus der Sicht von Natascha Kampusch[Bearbeiten]

Als Natascha das Fahrzeug wahrnahm, stand Wolfgang Priklopil außerhalb des Fahrzeuges und wirkte seltsam nervös. Deshalb beabsichtigte sie, die Straßenseite zu wechseln, kam aber davon ab, weil sie aufgrund des Streites mit der Mutter verweinte Augen hatte und schlecht sah.

Die dem Gehsteig zugewandte Seitentür des Tatfahrzeuges war offen und Priklopil stand davor. Als sie sich in Höhe des Fahrzeuges befand, erfasste sie Priklopil mit beiden Armen, wie ein Sack Zement und hob sie bzw. warf sie in den Kastenwagen. Dabei muss sie sich gewehrt haben, weil sie ein blaues Auge davontrug. Priklopil stieg sogleich ebenfalls über die Schiebetüre in das Fahrzeug eing, zog die Seitentüre zu, begab sich über die leere Ladefläche zum Fahrzeugsitz und fuhr sofort mit hoher Geschwindigkeit los. Im Fahrzeug befanden sich außer dem Fahrer und Beifahrersitz keine Sitze. Natascha saß auf der leeren Ladefläche im sogenannten „Schneidersitz“ und wäre während der Fahrt deshalb nicht im Fahrzeug herumgeschleudert worden, weil sie am Rücken ihre schwere Schultasche trug.

Priklopil fuhr dann ca 2 1/2 Stunden im Kreis und zwar im Bereich Maculangasse/Lieblgasse und Wagramer Straße. Während des Herumfahrens wartete Wolfgang Priklopil auf einen Anruf auf seinem Autotelefon.

Trotz eingeschränkter Sichtmöglichkeit (Schneidersitz auf der leeren Ladefläche) konnte Natascha die Fahrtstrecke erkennen. Sie bemerkte, dass es schließlich Richtung Gerasdorf/Süßenbrunner ging und fragte Wolfgang Priklopil, wo er sie hinbringe. Priklopil antwortete: "nach Strasshof", worauf sie zu ihm sagte, dass sie den Weg nach Strasshof kenne und das nicht der Weg nach Strasshof wäre, da sie den Weg von Verwandten ihrer Mutter kannte.

Die Fahrt ging über die Süßenbrunner Hauptstrasse durch Süßenbrunn, dann durch die Schnellbahnunterführung durch, vorbei am Lebensmittelgeschäft ihrer Mutter (Süßenbrunn, Pröbstlgasse 1) über die Wagramerstraße bis in einen Wald. Priklopil sagte zu ihr, dass er eigentlich gar nichts mit ihr zu tun habe. Priklopil lief nervös im Kreis und rief jemanden an oder wartete auf einen Anruf. Das Läuten seines Telefones oder ein Gespräch über das Telefon hat Natascha jedoch nicht gehört. Der Aufenthalt im Wald dauerte nur 10 bis 15 Minuten. Während der Fahrt sprach Priklopil schon von Lösegeld, aber ohne eine Summe zu nennen. Weiters sagte er zu ihr auch, dass sie bald Anderen übergeben werde.

Am frühen Nachmittag blieb Priklopil mit dem Tatfahrzeug vor der Garage seines Hauses in Strasshof, Heinestraße 60 stehen, wicklete sie in eine hellblaue Decke ein und trug sie in die Garage. (Entnommen dem Abschlussbericht vom 16.12.2009‏‎)

Aus der Sicht der Tatzeugin Ischtar A[Bearbeiten]

Am 2.3.1998 verlässt Ischtar A. kurz nach 7.00 Uhr die elterliche Wohnung. Auf ihrem Schulweg beobachtet sie wie Natascha Kampusch von zwei Männern in einem weißen Kastenwagen entführt wird.

In mehreren Einvernahmen (Original Wortlaut der Einvernahmen) beschreibt sie detailliert Beifahrer und Fahrzeug und gibt Hinweise auf den Fluchtweg des Fahrzeuges.

Sie bleibt immer dabei 2 Täter gesehen zu haben, auch ihre sonstigen Angaben sind im Wesentlichen stimmig.

Einzig in der Gegenüberstellung soll sie zugegeben haben sich geirrt zu haben, sie widerruft dies jedoch in ihrer Zeugenaussage in Insbruck - das habe sie niemals gesagt.

Zusammenfassung der Einvernahmen und Gegenüberstellung der wichtigsten Aussagen

Aus der Sicht von Brigitta Sirny[Bearbeiten]

Weiter Zeugen mit Wahrnehmungen am Entführungstag[Bearbeiten]

Bettina H sah Natascha am Schulweg gegen 07.05 Uhr am Kreisverkehr Panethgasse

Mathilde H sah das Wegfahren des Busses vom Balkon ihrer Wohnung in der Melangasse.

Das Ehepaar Elfriede H und Helmut H sahen einen weißen Transporter mit schwarzen Scheiben zwischen 07:05 und 07.15 Uhr.

Phillip K sollte Natascha um 7.05 bei der Videothek treffen. Er wartete von 07.00 Uhr bis 07.15 Uhr, Natascha kam nicht.

Schüler der VS Brioschiweg werden zu ihren Wahrnehmungen gefragt, sie können jedoch keine Hinweise liefern.

Dokumentation Behörden[Bearbeiten]

Priklopils Mercedes MB 100D vorne
Priklopils Mercedes MB 100D hinten
Priklopils Mercedes MB 100D innen


2. März 1998 gegen 7 Uhr verlässt Natascha Kampusch die Wohnung zu Fuß in Richtung ihrer Schule

Vormittag erzählte die Tatzeugin Ischtar A. ihrer Lehrerin von dem Vorfall, die dem aber noch keine Bedeutung zumaß.

gegen 17 Uhr erstattet die Mutter Brigitta Sirny Abgängigkeitsanzeige im Bezirkspolizeikommissariat Donaustadt in Wien 22., Wagramerstraße 89, nachdem ihre Tochter nach der Schule bzw. vom Hort nicht nach Hause gekommen war. Die Amtshandlung wurde durch das damalige Sicherheitsbüro (SB), Gruppe F , übernommen, das die Ermittlungen in der Folge bis zur Übergabe des Aktes im Juli 2002 an die damalige Kriminalabteilung (KA) Burgenland führte.


Fernschreiben der BPD Wien, SB 18.3.1998 von PWSB i.V. Dr. Johannes Scherz

Seit der Früh des 2.3.1998 ist die 10-jährige Schülerin Kampusch Natascha unter bedenklichen Umständen verschwunden. Sie verließ am 2.3.1998 gegen 7.02 Uhr ihre Wohnung am Rennbahnweg Nr. 27/38/7/18 und ging zu Fuß in Richtung ihrer Schule am Brioschiweg 1. Kurz nach 7.00 Uhr wurde sie am Rennbahnweg/Kreisverkehr Panethgasse von einer ehemaligen Mitschülerin noch gesehen. Es langten zahlreiche Hinweise ein, wonach Natascha noch zu späteren Zeitpunkten an versch. Örtlichkeiten gesehen worden sein soll, jedoch konnten diese Hinweise nicht eindeutig identifiziert werden.

Unter anderem gab eine Schülerin aus Wien (Nationale wird geheim gehalten) folgenden Hinweis an die Polizei:

Demnach will sie am 2.3.1998 etwa gegen 07.15 Uhr folgendes beobachtet haben:

Am Rennbahnweg, kurz vor dem Kreisverkehr Melangasse, in der Höhe der dortigen Hundewies, stand am rechten Fahrbahnrand in Richtung Kreisverkehr gesehen, ein weißer Kleinbus. Als ein Mädchen an diesem Bus vorbeigehen wollte, stieg auf der Beifahrerseite ein Mann aus, packte das Mädchen und zerrte es in den Bus. Das Mädchen schrie einmal. Anschließend fuhr der von einem 2. Mann gelenkte Bus zum Kreisverkehr und von dort in eine Seitengasse weg.


Beschreibung dieses Autos:

Weißer Kleinbus, ähnlich einem Ford Transit, eher neuwertig, hohes Dach, dunkle hintere Seitenscheiben, dunkles einzelnes gewölbtes Heckfenster, Heckklappe, kurze schwarze Antenne auf Fahrerseite. Ob in- oder ausländisches Kennzeichen, ist unbekannt.


Personenbeschreibung:

1. Fahrzeuglenker: männlich, näheres unbekannt

2. Beifahrer, welcher das Mädchen ins Auto zerrte: männlich, ca. 20-40 Jahre alt, ca. 175 cm groß, schwarzes kurzes Haar, ev. mit blonden Strähnen, näheres unbekannt.


BPD Wien, SB Aktenvermerk vom 4.4.1998, Kontaktaufnahme mit dem GP Gänserndorf von AI Franz Stöcklhuber

Zeigt welche Details nach außen hin kommuniziert wurden.

BPD Wien, SB Meldung an StA Kronawetter vom 17.7.2002 durch OR Dr. Johannes Scherz

Der Beginn des Förderunterrichtes wird mit 07:20 bis 07:25 Uhr angegeben und Bettina H. macht neue Angaben zur Sichtung eines weißen Busses.

BPD Wien, SB Bericht vom 26.2.2002 von BI Thomas Franklin

BI Franklin erfragt den exakten Beginn des Förderunterrichts und errechnet die Wegzeit Nataschas.

BPD Wien, SB Bericht vom 26.2.2002 über zeitliche Nachstellung des Schulweges durch BI Thomas Franklin und BI Kapps

Minutengenaue Wegzeitbeschreibung

21.9.2009 GIS Auswertung von Horst Schabauer und OR Mag. Klaus Schachner

Die GIS Auswertung behandelt die Punkte: Unstimmigkeiten bei der Zeitangabe von A., Fluchtweg des (der) Täter(s) und Treffen H./K