LPK Burgenland, LKA: 7. Niederschrift mit Natascha Kampusch, 15.9.2006

Aus Justizskandal Kampusch
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Auszug aus HP Peter Pilz http://www.peterpilz.at/nav/101/die-affaere.htm

Bei der siebenten und letzten Vernehmung fragen die SOKO-Beamten nach einigen Namen.

Frage: Im Mobiltelefon von Wolfgang Priklopil ist im Letztrufnummernspeicher ein gewisser H. Ernst gespeichert. Die Telefonnummer ist jedoch auf eine H. Hedwig angemeldet.

Antwort: Der Name Ernst H. sagt mir nichts.

Frage: Es gibt eine Eintragung von Wolfgang Priklopil, wo Schifahren mit Christian - 16.3.2005 - eingetragen ist.

Antwort: Es muss nicht sein, dass er mit Christian Schifahren gegangen ist. Er hat von einem Christian gesprochen, aber den Nachnamen weiß ich nicht. Ich habe außer dem Priklopil, dem H. und den Nachbarn keine anderen Personen gesehen.

Frage: Auf einem im Haus sichergestellten Videoband ist Wolfgang Priklopil mit einer zweiten Person beim Schifahren zu sehen. Ein Vergleich mit vorliegenden Bildern ergab eine Übereinstimmung mit Rudolf H.. Sind Ihnen diese Aufnahmen bekannt und war eventuell noch jemand dabei?

Antwort: Das Video ist mir bekannt, er wollte damit zeigen, wie es in dieser Gegend mit dem Schifahren aussieht. Er dürfte nur mit Rudolf H. Schifahren gewesen sein.

Dann wechseln die Beamten das Thema und fragen

• zu Priklopils Versuchen, sämtliche Spuren von Kampusch im Verlies zu vermeiden • zu Priklopils Mutter • zur Einrichtung des Verlieses • zu Geschenken • und zu Zeitungsausschnitten, die Kampusch privat sammelte.

Gegen Ende der letzten Vernehmung fragen die Beamten zum ersten Mal nach einem Motiv.

Frage: Was sagte er Ihnen zum Motiv der Entführung bzw. wie er sich das Leben mit Ihnen weiter vorstellte?

Antwort: Zum Motiv hat er je nach Stimmung gesagt, dass ich ihm gehöre und dass er schon immer eine Familie haben wollte. Er hätte mir auch eine neue Identität besorgt.

Um 13.15 ist die siebente und letzte Vernehmung nach zwei Stunden zu Ende. Im Laufe der Vernehmungen haben die Beamten einiges erfahren:

1. Während der Entführung hat es Kontakt zu einer dritten Person gegeben. 2. Der Keller war nicht als Gefängnis vorbereitet. 3. Der Täter suchte mit seinem Opfer fünf Adressen nicht nur in Wien-Donaustadt sondern auch in den Bezirken 15, 16 und 17 auf.

Stillfriedplatz, Bergsteiggasse, Hollergasse, Stralehnergasse, Rugierstrasse - die Beamten fragen bis zum Schluss nicht nach. Kampusch war zumindest in den Wohnungen in der Hollergasse, in der Bergsteiggasse und in der Stralehnergasse. In welchem Haus mit welcher Hausnummer, in welcher Wohnung waren sie? Was haben Kampusch und Priklopil dort getan? Wann waren sie dort? Wem gehören die Wohnungen? Hatte Priklopil Schlüssel oder wurde ihnen geöffnet? Wie vermied Priklopil, dass Kampusch bei den Ausflügen Spuren hinterließ? Und: Warum ging Priklopil, der schon bei Kampuschs Besuchen im Haus nur wenige Meter vom Verlies entfernt Angst vor dem Hinterlassen von Spuren hatte, das Risiko von Wohnungsbesuchen auf der anderen Seite von Wien ein?