LPK Burgenland, LKA: Niederschrift mit Natascha Kampusch, 24.8.2006

Aus Justizskandal Kampusch
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Auszug aus HP Peter Pilz http://www.peterpilz.at/nav/101/die-affaere.htm

„Am Morgen des 2. März 1998 wollte mich meine Mutter zur Schule bringen, aber ich wollte selbst gehen.

Gegen 07.00 Uhr ging ich bei der Stiege in den Innenhof des Rennbahnweges in Richtung Einkaufszentrum durch und dann links zur Kreuzung Wagramer Straße mit dem Rennbahnweg. Ich sollte um 07.45 Uhr bei der Schule sein.

Ich überquerte weiters die Wagramer Straße und ging den Rennbahnweg weiter Richtung Kubin Platz. Ungefähr 7 Meter nach der Kreuzung - kurz vor der Melangasse - fiel mir ein Mann auf, der dort bei einem weißen Kleinbus gestanden ist. Diesen hatte ich vorher noch nie gesehen, er war mir absolut unbekannt. Die einzige Besonderheit, die mir bei dem Auto auffiel, waren die alten schwarzen Kennzeichentafeln. Wie ich dann später erfahren habe, waren dies Tafeln gefälscht (aus 2 alten eine neue Nummer hergestellt)." Kampusch trifft auf Priklopil. „Dieser Mann hatte einen weißen Leinenhut - wie ihn Handwerker verwenden - auf. Er stand bei einem weißen Kleinbus und tat so, als ob er im Auto etwas suche. Ich hatte beim Näherkommen zu diesem Mann ein ungutes ´Bauchgefühl´ und wollte die Straßenseite wechseln. Weil ich nach dem Streit mit meiner Mutter ´aufgelöst´ war und mir immer wieder Tränen kamen, ignorierte ich dieses Gefühl und wollte rasch an dem Mann vorbeigehen. Als ich auf gleicher Höhe mit dem Mann war, packte er mich plötzlich und zerrte mich in den leeren Laderaum des Fahrzeuges. Er stieg auch mit ein, schloss die Seitentüre und setzte sich auf den Fahrersitz. An die genauen Einzelheiten im Fahrzeuginneren kann ich mich jedoch nicht mehr erinnern. Auch kann ich mich erinnern, dass er während der Fahrt zwischen den Vordersitzen eine ca. 50 cm lange Schusswaffe liegen hatte. Die wie ich später erfuhr, angeblich nicht geladen war. Er erklärte mir dies so, dass bei einer Anhaltung ein geringeres Strafausmaß zu erwarten gewesen wäre.

Ich fragte ihn, was das soll, er antwortete, dass ich ruhig sein solle, dann passiert mir nichts. Während der Fahrt habe ich den Mann gefragt, ob ein ´Kinderverzahrer´ ist oder/und mich vergewaltigen will oder mich ermorden und irgendwo einbuddeln will, oder alles zusammen.

Er antwortete sinngemäß, dass wen meine Eltern zahlen, könne ich noch heute oder morgen nach Hause.

Während der Fahrt kam mir vor, dass er stundenlang im Kreis fuhr und zwar im Bereich Maculangasse/Lieblgasse/Wagramerstraße. Während der Fahrt sagte er, dass er auf einen Anruf auf sein Autotelefon wartete. Dieser Anruf kam jedoch nicht.

Nach einer Zeit, deren Dauer ich nicht angeben kann, fuhr er auf der Wagramerstraße stadtauswärts und dann über die Süssenbrunner Hauptstraße Richtung Strasshof an der Nordbahn. Bei der Fahrt durch die Süssenbrunner Hauptstraße habe ich ihn gefragt, wo er mich hinbringt. Er sagte, dass er mich nach Strasshof bringt.

Soweit ich mich jetzt noch erinnern kann, fuhr er irgendwo vor Straßhof in einen Wald hinein. Er hat mir bereits während der Fahrt gesagt, dass er mich bald an andere übergeben werde. Die würden mich dann freilassen, wenn meine Eltern Lösegeld bezahlen.

Im Wald hielt er das Fahrzeug an, stellte den Motor ab, öffnete die Schiebetür und hob mich aus dem Auto. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch die Schultasche auf dem Rücken, die er mir dann herunternahm. Er lief dann nervös und fahrig im Kreis herum, wobei er intensiv nachzudenken schien. Plötzlich sagte er zu mir, dass er mich woanders hinbringe, da die anderen nicht gekommen sind. An den genauen Wortlaut kann ich mich nicht erinnern. Dann wickelte er mich in eine hellblaue Decke ein, setzte mich wieder ins Auto und befahl mir, mich ruhig zu verhalten und nicht die Decke vom Kopf zu ziehen.

Er fuhr mit mir vom Wald weg und meine nächste Erinnerung ist, dass das Fahrzeug vor einem Haus angehalten wurde. Ich hatte nämlich durch einen Spalt der Decke die Hausnummer und ein Fenstergitter, welches ich für einen Balkon hielt, sehen können. Er hob mich mit der Decke aus dem Fahrzeug heraus und trug mich ins Haus. Während des Hineinbringens ersuchte ich ihn, dass ich auf die Toilette gehen darf. Er sagte mir, dass dies die Tür zum WC sei, das ich auch aufsuchte.

Anschließend führte er mich durch die Küche bis zu einer Brandschutztür. Dort gab er mir wieder die Decke über den Kopf und trug mich die Stiegen hinab in den Keller. Dort setzte er mich ab, nahm mir die Decke vom Kopf und dort bemerkte ich, dass ich auf ausgebauten Fahrzeugteilen saß. Als er mich dort absetzte, hörte ich, dass der Mann im Kellerraum irgendetwas herum schob.

Anschließend gab er mir die Decke über den Kopf und zog mich durch eine schmale Öffnung in einen anderen Raum. Er schob mich dann durch eine Türe in einen weiteren Raum, in dem es total finster war.

Er verbot mir sinngemäß, das Licht aufzudrehen, da mit dem Licht irgendetwas nicht in Ordnung sei und er komme gleich und bringe eine Lampe mit. Nachdem er die Tür geschlossen hatte, verlor ich durch die Dunkelheit völlig das Zeitgefühl. Der Boden des Raums war staubig, hart und kalt, aber ich fror nicht.

Nach einer unbestimmten Zeit kam er wieder und machte Licht. Als ich den Raum sah, kam dieser mir ähnlich wie eine Sauna vor, da die Wände mit naturfarbenen Holzpanelen verkleidet waren. Der Boden war Laminatboden. Er sagte zu mir, dass er nach Wien in seine Wohnung fahre, um für mich eine Matratze zu organisieren. Er fragte mich, ob ich etwas zum Essen haben möchte und sonst noch etwas bräuchte, was er mir vom Supermarkt mitbringen soll. Ich habe gesagt, dass ich gerne grüne Äpfel hätte, wenn das geht und dass ich noch eine Zahnpasta und eine Zahnbürste brauche und eine Haarbürste und schokoladebezogene Butterkekse plus Erdbeerjoghurt. Den Joghurtbecher wollte ich später als Zahnputzbecher verwenden. Nachdem er wieder zurückgekommen war, brachte er die gewünschten Sachen, sowie die Matratze und einen Polster mit. Damit mir nicht kalt wird, stellte er mir einen alten Ölradiator in den Raum.

Irgendwie kann ich mich dunkel erinnern, dass damals von einer dritten Person (außer ihm und mir) die Rede war, der erst meine Schultasche durchsehen müsse, ob ich ein Handy oder Ähnliches - wie z.B. Verteidigungsmittel - dabei hätte."


„Auf Befragen der Beamten gebe ich an, dass ich weder eine andere Stimme oder andere Person außer uns beiden wahrgenommen habe."


„Abbruch der Niederschrift über Anregung von Doz. Prof. Dr. Ernst Berger, Vorstand der Kinder- und Jugendpsychologie Rosenhügel".